„Mit Spaß lernt es sich viel besser!“

Zweiter Jahrgang des Diesterweg-Stipendiums feiert mit Familien, Stadt und Bohnenkamp-Stiftungseinen Start

 

Osnabrück, 21. September 2017

 

Da hielt es die Kinder nicht mehr auf den Plätzen: Als Joachim Hecker seine Experimente vorführte, stellten sich einige der neuen Diesterweg-Stipendiatinnen und -Stipendiaten ganz nach vorne. Sie wollten nichts verpassen, als der Elektro-Ingenieur zeigte, wie eine Wasserorgel funktioniert, wie Kunstschnee gemacht wird oder wie er mit dem Griff an die Nase eines Jungen Berkay Yurtkuran einen Metallstift zum Piepsen bringt. Und schnell waren ihre Finger oben, als Joachim Hecker fragte, wer beim nächsten Experiment helfen möchte. Hecker begeisterte nicht nur seine jungen Zuschauer beim Aufnahmefest der zweiten Generation des Diesterweg-Stipendiums. „Mit Spaß lernt es sich viel besser“, betonte Gisela von Auer von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main zu Beginn. Der Auftritt von Joachim Hecker bewies es.

Feierlich haben die Stadt und die Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung gemeinsam mit Gästen aus Bildung, Politik und Stiftungswesen 17 neue Familien in das Diesterweg-Stipendium aufgenommen. Dieses von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft entwickelte Programm richtet sich an Viertklässlerinnen und -klässler, die ihre Begabungen aus außerschulischen Gründen nicht vollständig zeigen können. „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein Dorf – und wir sind dieses Dorf“, sagte Michael Prior angesichts der zahlreichen Kooperationspartner, die das Programm in Osnabrück unterstützen. Der Geschäftsführer der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung hat das Diesterweg-Stipendium in die Stadt geholt. Unterstützt wird es nicht nur durch die Schulen der Kinder, sondern auch durch Museen und weitere Bildungseinrichtungen vor Ort; ein Durchgang geht über zwei Jahre. „Ich freue mich, eure Wegbegleiterin zu sein“, sagte Katharina Liebing, die Projektleiterin für das Stipendium bei der Stadt Osnabrück.

Beim Aufnahmefest haben Liebing und Prior eine Wette abgeschlossen: „Wir schaffen mindestens 50 Prozent“, sagte Liebing hinsichtlich der Wünsche, die die Kinder für die zwei Jahre formuliert haben. Manche wollen ein Instrument lernen wie Klavier oder Schlagzeug, andere möchten Turnen können, Delia Comann möchte lernen, wie sie Schokolade selbst machen kann, und Hala Sos möchte auf einem Pferd reiten. Aber auch größere Wünsche sind dabei, wie zum Beispiel eine Weltreise zu unternehmen. Michael Prior hielt dagegen und forderte Katharina Liebing heraus: „Wenn wir das schaffen, dann bestelle ich für das Abschlussfest einen Eiswagen“, sagte er in den Applaus der Kinder.

Beim Aufnahmefest wurden nicht nur die aufgenommenen Jungen und Mädchen mit ihren Familien vorgestellt. Es gab auch ein Rahmenprogramm. Dazu zählte Joachim Hecker, aber auch Natalia Vanishvili und Edin Mujkanovic, die als Duo Marili mit Gesang und Gitarre Lieder aus Georgien und Mazedonien präsentierten. Für ein leckeres Büffet zum Ende des Festes sorgte die Firma Kardalo.

2008 wurde das Diesterweg-Stipendium in Frankfurt am Main zum ersten Mal angeboten, erzählte Gisela von Auer: „Mittlerweile gehören bundesweit 450 Familien dazu mit mehr als 2000 Menschen“. Die ersten Diesterweg-Kinder haben in diesem Frühling ihr Abitur gemacht. Sein Erfolg zeige sich nicht nur in den erfolgreichen Bildungsbiografien der geförderten Kinder, sondern auch darin, dass neun weitere Städte das Stipendium umsetzen, wie Hamburg, Hannover, Darmstadt und Duisburg.

Auch Borys Jastrzebski ist jetzt Diesterweg-Stipendiat. Er beschreibt sich selbst so: „Ich bin ein bisschen wie ein Vulkan. Ich habe Ideenlava in mir.“ Diese Ideenlava kann er in den kommenden zwei Jahren mit den anderen Stipendiaten bei Akademietagen zu verschiedenen Themen, wie Naturwissenschaften, Musik, Sprache, Literatur, Theater und Kunst fließen lassen. Sie gehören ebenso zum Angebot wie Ausflüge in Osnabrück und die Umgebung, sowie Ferienkurse. Außerdem sind finanzielle Hilfen bei der Anschaffung von Bildungsmitteln möglich. Zugleich werden die Eltern gefördert, um ihre Kinder noch besser unterstützen zu können. Das betrifft auch den Übergang zur weiterführenden Schule.

Um in das Stipendium aufgenommen zu werden, müssen die Kinder von ihren Lehrern vorgeschlagen werden. Anschließend wurden 23 Familien zu einem Auswahlgespräch eingeladen, 17 haben eine Zusage erhalten. Die Ernsthaftigkeit der Förderung wurde mit einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Bohnenkamp-Stiftung und der Stadt auf der einen Seite und den Familien auf der anderen Seite besiegelt. Gisela von Auer bedankte sich während des Aufnahmefestes bei Michael Prior für die gute Zusammenarbeit. Sie überreichte ihm eine Urkunde und eine Büste von Adolf Diesterweg.

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