Flucht hat viele Ursachen

Musical mit sechs Schulen aus Stadt und Landkreis Osnabrück

 

Osnabrück, 1. Juni 2017

 

Bei dem Wort „Flucht“ denken die meisten Menschen derzeit wohl an die andauernde Flüchtlingskrise, die durch den Krieg in Syrien ausgelöst wurde. Wie viele weitere Gründe es noch gibt, aus einer Situation oder von einem Ort weg zu wollen oder zu müssen, zeigten jetzt 130 Kinder und Jugendliche beim Musical „One world“ in der Osnabrückhalle. Auf Initiative der Patsy & Michael Hull Foundation haben Schülerinnen und Schüler von sechs weiterführenden Schulen aus Osnabrück und Ibbenbüren sowie aus Kursen der Tanzschule Hull ein zweistündiges Programm präsentiert. Die Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung hat das Projekt mit 10.000 Euro unterstützt.

Die Ideen für die Szenen lieferten die Kinder und Jugendlichen selbst – zum Teil basieren sie auf wahren Geschichten. Sie drehen sich um Mobbing, um häusliche Gewalt, um das Ende einer Liebe – und um Flucht aufgrund von Krieg. Dabei konzentrierten sich diese Szenen nicht nur auf den Syrien-Konflikt, sondern auch auf die Flucht, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa herrschte. „Das ist Politik- und Geschichtsunterricht ganz nah. Das geht zu Herzen“, hatte Patsy Hull-Krogull zu Beginn des Auftritts angekündigt, den die Schulen in Zusammenarbeit mit der Hull Foundation in den vergangenen vier Monaten erarbeitet haben. Thematisch aufgearbeitet wurde das Thema Flucht im Geschichts- und Politik-Unterricht der beteiligten Schulen.

Bei ihrem Auftritt setzten sich die jungen Leute nicht nur schauspielerisch von komisch bis traurig in Szene. Sie tanzten, sangen und rapten. Die Domschule hatte nach der Anfrage der Hull Foundation die Idee ins Spiel gebracht, das Thema „Flucht“ nicht nur geschichtlich anzugehen, sondern aktuelle Gefühle zum Thema aufzugreifen. Als roter Faden dienten den jungen Darstellerinnen und Darstellern zum einen Tagebucheinträge, die auf großen LED-Wänden gezeigt wurden, und zum anderen der Satz „Ich will hier weg!“, mit dem die Hauptfigur jeweils fluchtartig die Bühne verließ. Die Angelaschule nahm mit einer verfremdeten Geschichte um die Vertreibung aus dem Paradies die moderne Mediengesellschaft auf die Schippe – in der „Gott“ weiblich ist, blonde Haare hat und in ein goldenes Glitzerkleid gehüllt eine „Challenge“ für Adam und Eva formuliert. Das Johannes Kepler Gymnasium aus Ibbenbüren präsentierte Probleme aus dem alltäglichen Zusammenleben verschiedener Kulturen, die Thomas-Morus-Schule verdeutlichte, wie sich belastende Arbeitszusammenhänge auf den einzelnen auswirken und Fluchtgedanken provozieren. Und die Ursulaschule widmete sich den Erinnerungen älterer Deutscher, die am Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen mussten. Bei den Szenen dabei waren zudem eine integrative und eine inklusive Gruppe. Ergänzt wurde der Auftritt der Schülerinnen und Schüler durch ein Gastspiel des syrischen Flötisten Maher Jarir, der selbst aus seiner Heimat geflohen ist.

Das Musical „One world“ ist Teil eines umfassenden Projekts der Patsy & Michael Hull Foundation mit dem Titel „Eine Welt für alle“, das auch Podiumsdiskussionen mit dem Niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius und Kanzleramtsminister Peter Altmaier umfasste und den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gab, sich auf verschiedene Art und Weise mit Flucht und Integration zu befassen – um sich zu dem Thema eine eigene Meinung zu bilden.

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