Schreibwerkstatt Königsblau 2021: Blutrote Kriminalgeschichten

Die Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung fördert Literaturtalente – mit der Schreibwerkstatt Königsblau hat die Stiftung ein Format etabliert, das erwachsenen Menschen jeden Alters eine Auszeit bietet, in der sie sich ausschließlich ihren Schreibfertigkeiten widmen können. Vom 25. bis zum 29. Oktober 2021 lebten, lernten und schrieben die neun Teilnehmerinnen auf Einladung der Bohnenkamp-Stiftung im Kloster Malgarten bei Bramsche. Unter Leitung der Journalistin und Autorin Anja Rützel und des Pressereferenten Frederik Kathmann trieben sie ihre Schreibprojekte voran. Fallanalytiker und Autor Axel Petermann sorgte mit seinem Vortrag am zweiten Tag des Programms für einen kreativen Impuls zum Start in den Schreibprozess. Am Ende der Woche gab es eine Lesung in kleiner Runde, die schon auf die Zukunft verweist, denn im kommenden Jahr soll auch für die Öffentlichkeit die Möglichkeit bestehen, die Texte aus der Feder der Autorinnen zu hören. Wann und wo ist noch nicht geklärt und so ist eins sicher: Es bleibt spannend.

Die nachfolgenden Königsblauen Momente würdigen eine Woche im Zeichen des Schreibens. Frederik Kathmann erzählt mit ihnen kurze Geschichten aus der Schreibwerkstatt Königsblau. Es sind Schlaglichter auf das Geschehen im und um das Kloster Malgarten.

Königsblaue Momente - kurze Geschichten einer Schreibwerkstatt

Das Portal

Es ist Herbst. Aber nicht wie im Klischee, trüb und regnerisch – nein. Wie eine Decke legt sich die warme Abendluft auf die sanfte Gegend. Das ehemalige Benediktinerinnenkloster Malgarten zeichnet sich vor dem klaren Sternenhimmel ab. Vor mir streckt sich der kleine Kirchturm in die Höhe, als wolle er den Mond und die Sterne persönlich begrüßen und zu ihrem gelungenen Lichtspiel beglückwünschen. Neidisch flackern die Grablichter unten auf dem kleinen Friedhof im nächsten warmen Luftzug. Schon zu Beginn meiner Woche gibt sich das Kloster Malgarten jede Mühe Geschichten zu erzählen. Langsam und vorsichtig gehe ich voran. Der Riemen der schweren Reisetasche voller Bücher und allem, was man sonst noch für eine Woche Schreibwerkstatt braucht, schneidet sich in meine Schulter. Schritt für Schritt nähere ich mich der Klostertür – das Portal zu einer Woche voller Erfahrungen, voller Eindrücke, voller Literatur. Zögerlich lege ich meine Hand auf die kühle Klinke aus beschlagenem Eisen. Sie nimmt die Wärme auf, als wolle sie mich willkommen heißen. Ich trete ein.

Die Lampe

Auf dem Tisch steht eine Lampe. Eine schwarzlackierte wie man sie auf dem Schreibtisch eines Ermittlers vermuten könnte. Ein schwerer, kreisrunder Fuß hält einen schlanken Arm an dessen Ende ein schüsselgroßer Schirm einer hellen Glühbirne seine Fassung gibt. Im Gegensatz zu vielen anderen ihrer Lampengenossinnen hat sie schon viele Reisen hinter sich. Ein tiefer Kratzer bezeugt ihre Abenteuer. Das Leben auf einem einzigen Tisch war ihr wohl zu fad, also hat sie sich auf den Weg gemacht. In ihrem hellen Lichtkegel, der sich auf einen Holztisch erstreckt, halten lebensgegerbte Hände ein Buch: „Die Diagramme des Todes“ steht darauf geschrieben. Langsam suchen die Finger das untere Ende der Seite, üben sanften Druck aus und schlagen sie dann hinüber. Die Hände gehören zum Autor des Buches selbst, der im Schein seiner abenteuerlustigen Lampe aus seinem Text liest. Er heißt Petermann, Axel Petermann. Ehemaliger Leiter der ersten Mordkommission in Bremen, Fallanalytiker der ersten Stunde. Ein Mann, der in seiner Karriere dem Verbrechen ins Auge sehen musste. Musste? Er musste nicht nur, er wollte es auch. Warum, wird sein Geheimnis bleiben und doch ist eines klar: Er hat sein Leben der Beschäftigung mit dem schwersten Tabubruch gewidmet – dem Verbrechen gegen das Leben eines anderen Menschen. Gebannt hören die Teilnehmerinnen der Schreibwerkstatt zu, folgen dem Prolog seines Kriminalromans. Danach nimmt Petermann sich Zeit. Zeit, das Gelesene wirken zu lassen. Es ist der szenische Einstieg in einen Abend, an dem er seinen Lebensweg beschreibt, wie er vom Wehrdienstverweigerer zum Kommissar zum Autor wurde. Er hat Fotografien mitgebracht aus seiner Zeit als Ermittler. Bilder, die vermitteln, welchen Abdruck das Verbrechen auf der Leinwand des Alltäglichen hinterlässt. Bilder, die nachdenklich und demütig machen – und doch auch Interesse wecken. Warum zeigt sich gerade diese Situation am Tatort, was hat einen Menschen dazu veranlasst ihn so zu hinterlassen? Petermann erklärt, beschreibt, typisiert die vor allem männlichen Täter und ihr Verhalten. Danach widmet er sich den Fragen der Zuhörer. Sie suchen nach Antworten, das Gesehene zu verstehen. Und sie suchen nach Rat, um ihre Krimiprojekte an den Kanten der Realität zu schärfen. Einer Realität, die Petermann heute zu ihnen gebracht hat.

Die Nullnummer

Ein mausgroßer Spielzeug-Mops steht auf dem Tisch. Neben ihm liegt ein kleines, braunes Notizheft. Mit blauer Tinte ist von Hand ein Logo darauf gedruckt worden. Ein Krake rankt sich um elegante Buchstaben: „Königsblau – Die Schreibwerkstatt der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung“. Der kleine Hund – er wurde Mopsi getauft – ist in den letzten Tagen durch viele Hände gegangen. Hände von Menschen, die eine ganze Woche dem Schreiben widmeten. Menschen, die sich in intensiven Gesprächen über ihre Ideen, ihre Sprache, ihren Plot austauschten. Wer Mopsi hielt oder vor sich stellte, war an der Reihe, gab neuen inhaltlichen Input zum Krimi oder las seinen neuesten Text vor. Heute ist es aber nicht Mopsi der herumwandert. Es sind die Teilnehmer, die zu ihm kommen. Nach vorn an den Tisch, auf dem er schon wartet. Sie kommen nach vorn für ihre erste Lesung – ihre Nullnummer.

Katharina fasst sich ein Herz, freiwillig wird sie den Anfang machen. Sie verlässt ihren alten Platz und begibt sich zum kleinen Mops an den Tisch, der vor der U-Form aufgestellt ist. Sie richtet sich ein, dann setzt sie an und erzählt ihre Geschichte: Eine junge Frau, die wie eine Spinne im Netz ihre Verbrechen begeht und vertuscht. Ein Kommissar namens Cohen, der ihr nicht gewachsen ist. Ein Kunstwerk, mit dem Blut ihres Vaters gemalt. Dann trägt Katharina eine Szene aus dieser Geschichte vor – Wort für Wort. Gespannt lauschen die anderen. Am Ende blickt sie erwartungsvoll in die Runde, die ihre Nullnummer mit dem verdienten Applaus belohnt. Als nächste geht Salima nach vorn: Eine forensische Fallanalytikerin jagt in ihrer Geschichte einen Serienmörder und gerät selbst ins Visier der Ermittlung…

Und so skizziert jede ihre blutrote Kriminalgeschichte, trägt jede stolz eine Szene vor: Die Stories führen von einem kleinen westfälischen Dorf im Jahre 1966, bis in eine Lagunenstadt der Zukunft, deren Gebäude aus hölzernen Wrackteilen gebaut sind. Sie handeln von einer verstorbenen Schulrektorin, deren Fall von Schülern aufgedeckt wird; von einem neureichen Snob, der in einem Moment der Schwäche einen Mord in Auftrag gibt und ihn nicht stoppen kann. Von einer jungen Journalistin, die im Theatermilieu recherchiert, nachdem sie belastende Akten gefunden hat. Von einer Podcasterin, die mit ihrem kauzigen Opa einem rätselhaften Vermisstenfall nachgeht. Es sind Stories, so vielfältig und interessant, wie die Frauen, die sie geschrieben haben. So spannend, dass sie zwangsläufig ein Publikum finden werden, das größer ist als an dem Tag ihrer Nullnummer.

Die Gemeinschaft

Anja, Annika, Evelyn, Frederik, Jule, Katharina, Kerstin, Klara, Maria, Salima, Viktoria – eine Gruppe von Namen. Namen, die für Menschen stehen. Menschen, die mit einem gemeinsamen Ziel in eine Woche gehen – sich der Literatur zu widmen, ihrer eigenen Kriminalliteratur zu widmen. Nach einer Woche ist mehr daraus geworden, mehr als nur Namen. Es ist eine Gemeinschaft entstanden. Eine Gemeinschaft der Erinnerung an das Erlebte, Gelernte, Geschriebene. Eine königsblaue Gemeinschaft.

Fotogalerie

Die Schreibwerkstatt 2021 beginnt!

Osnabrück, 25. Oktober 2021

 

Pünktlich um 9:00 Uhr ist heute unsere Schreibwerkstatt 2021 im Kloster Malgarten in Bramsche gestartet!

 

 

 

Neuer Termin für die Schreibwerkstatt Blutrote Kriminalgeschichten!

Osnabrück, im November 2020

Die erste große Enttäuschung über die Absage unserer Schreibwerkstatt im Oktober ist inzwischen gewichen. Die Entwicklung in den letzten Wochen hat uns in unserer Entscheidung leider nur bestätigt. Wir bedanken uns auch an dieser Stelle für das entgegengebrachte Verständnis bei den Teilnehmerinnen und den Verantwortlichen und Mitarbeitern des Veranstaltungsortes Kloster Malgarten.

Wir haben nun beschlossen, die Schreibwerkstatt in die letzte Oktoberwoche im Herbst 2021 zu verschieben. Alle ausgewählten Teilnehmerinnen und auch Frau Rützel haben sofort zugesagt, diesen neuen Termin ermöglichen zu wollen. Darüber freuen wir uns sehr!  Und mit der Unsterstützung von Frau Rützel und unseres Pressereferenten Herrn Kathmann, der zusammen mit Frau Rützel die Schreibwerkstatt leiten wird, werden wir alle in Kontakt bleiben und hochmotiviert einen neuen Anlauf im nächsten Jahr unternehmen. Es bleibt auch beim Veranstaltungsort Kloster Malgarten - ein Dank nach Bramsche, dass der neue Termin sofort zugesagt wurde.

 

Bleiben Sie gespannt!

Absage Schreibwerkstatt 2020

Osnabrück, 9. Oktober 2020

Wir haben viele interessante Bewerbungen erhalten und 12 ausgewählte Teilnehmerinnen, Anja Rützel und wir als Stiftung waren voller Vorfreunde auf eine spannende Woche im Kloster Malgarten in Bramsche.

Aber: wir müssen unsere diesjährige Schreibwerkstatt aufgrund der aktuellen und doch letztlich überraschenden Entwicklung im Rahmen der Corona-Pandemie heute leider absagen.

Eine Person aus unserer Veranstaltungsgruppe würde aus einem innerdeutschen Risikogebiet anreisen, was seit gestern bzw. formal per Erlass ab morgen im Land Niedersachsen ein Problem ist, da diese Person nicht beherbergt werden dürfte. Dieser rechtlichen Richtlinie müssen wir nachkommen. Wir bedauern die Absage sehr.

Weitere Informationen zur Schreibwerkstatt demnächst auf dieser Seite!

Königsblau - Die Schreibwerkstatt 2020 

"Blutrote Kriminalgeschichten"

Die Bewerbungsfrist für unsere Schreibwerkstatt endete am 30. Juni 2020.

Wir freuen uns sehr über die zahlreichen Bewerbungen!

Unsere Jury wird nun die Bewerbungen sichten und Ende Juli entscheiden, wer an der diesjährigen Schreibwerkstatt im Kloster Malgarten teilnehmen wird.