Herbstakademie 2017

Die Herbstakademie Osnabrück besteht seit 2002 als eine Zusammenarbeit von vier Gymnasien der Osnabrücker Region, der Universität Osnabrück und inzwischen auch der Hochschule Osnabrück mit dem Ziel, besonders begabte und motivierte Schülerinnen und Schüler der Oberstufenklassen zu fördern. Die Jugendlichen aus den vier Gymnasien sowie aus (zurzeit) vier weiteren Gastgymnasien werden im von ihnen gewählten Kurs mit Themen bekannt gemacht, die so nicht in der Schule angeboten werden können. Neben der Förderung als solche besteht ein besonderer Reiz für die teilnehmenden Jugendlichen in der großen Vielfalt der angebotenen Themen aus unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen, die oftmals nicht dem Mainstream bzw. den üblichen Schulfächern folgen. Zudem sollen zukünftig ausgewählte Studierende die Möglichkeit erhalten, in einer forschungsnahen Atmosphäre gemeinsam mit den Dozent*innen und Lehrer*innen die Kurse vorzubereiten und zu begleiten und somit ein besonderes Format in Bereich forschendes Lernen kennen zu lernen. Zudem können sie sich Erfahrungen bei unterschiedlichen Evaluationsverfahren (z.B. begleitende Beobachtung, Befragung) erwerben. Die Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung fördert die Herbstakademie von 2017 bis 2019.

Ein Aufruf zum mutigen Denken

Ernst Ulrich von Weizsäcker diskutierte mit Gymnasiasten bei der Herbstakademie 2017 in Osnabrück

 

Osnabrück, 12. September 2017

 

Zu mehr Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen rief Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Ulrich von Weizsäcker sein Publikum im Osnabrücker Schloss auf. Der Ko-Präsident des Club of Rome war bei der Auftaktveranstaltung der diesjährigen Herbstakademie zu Gast. In der Aula der Universität Osnabrück hatte er mit 130 Oberstufenschülerinnen und -schülern aus der Region Osnabrück über die Zukunft unseres Planeten diskutiert. Zuvor hatte er unter dem Titel „Unterwegs in eine enkeltaugliche neue Aufklärung 2.0“ den jüngsten Bericht an den Club of Rome vorgestellt. Das Buch „Wir sind dran“ wird im Oktober dieses Jahres veröffentlicht, Anlass ist das 50. Jubiläum des Club of Rome im Jahr 2018.

Von der Aufforderung des Naturwissenschaftlers und Politikers machten einige der jungen Gäste gern Gebrauch. So fragte eine Schülerin nach Möglichkeiten der konkreten Umsetzung der Ideen aus dem Bericht an den Club of Rome. Eine junge Muslima widersprach den Äußerungen von Weizsäckers über den Koran. Der renommierte Wissenschaftler beantwortete die Fragen zumeist detailliert – wies aber auch darauf hin, wenn er eine Antwort mal nicht geben konnte, und zeigte auch damit, dass Wissenschaft und Erkenntnis Dinge sind, die wachsen müssen. „Ich freue mich, dass die Schülerinnen und Schüler gezeigt haben, wie viele Gedanken sie sich um die Zukunft der Erde machen. Ganz besonders freut es mich, dass sie diese Gedanken auch öffentlich äußern“, sagte Michael Prior nach der Veranstaltung als Sprecher des Netzwerkes Bildung. Das Netzwerk unterstützt die Herbstakademie organisatorisch.

Mit der jährlichen Herbstakademie werden besonders begabte und motivierte Schülerinnen und Schüler gefördert. Das ist das Ziel einer Zusammenarbeit von acht Gymnasien der Region mit der Universität und der Hochschule Osnabrück. Mit angewandten Projekten erhalten sie erste Einblicke in die Arbeitsweise von Universitäten und Fachhochschulen. Zudem lernen sie unter fachkundiger Anleitung, sich mit einem Thema wissenschaftlich auseinanderzusetzen. „Bei der Herbstakademie können sie neue Ideen entwickeln und ihre Umwelt erfahren“, sagte Prof. Dr. Joachim Härtling, Vizepräsident für Studium und Lehre der Universität, in seinem Grußwort zu Beginn der Veranstaltung. An drei Tagen während der Herbstferien befassen sich die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 13 kleinen Gruppen mit Fragen aus Lebensmittelwissenschaften, Geschichte, Systemwissenschaft, Soziale Arbeit, Biologie, Kunst und anderen Wissenschaften. Die Kurse haben Titel wie „Experimentelle Ethik“ oder „Wasser – leicht zu verschmutzen, schwer zu reinigen.“ Finanziell wird die Herbstakademie von der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung getragen.

Auf die Begegnung mit Ernst Ulrich von Weizsäcker haben sich die Schülerinnen und Schüler ernsthaft vorbereitet und Fragen entwickelt. So haben sie beispielsweise den Kinofilm „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore im Kino gesehen und ihre Eindrücke in ihren Fragekatalog aufgenommen. Von Weizsäcker war nicht der einzige, der seine Gedanken zum Schutz der Umwelt darlegte. Es sprachen auch der Klimaforscher Prof. Dr. Hartmut Graßl und Weihbischof Johannes Wübbe, Osnabrück. Organisiert wird die Herbstakademie von Reinhardt Fulge, ehemaliger Lehrer und Mitarbeiter der Osnabrücker Hochschulen. Moderiert wurde die Eröffnung von Klaudius Gansczyk von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler.

Präsentationstag Herbstakademie 2017

Grußwort Michael Prior